What nexxt?

September 29, 2008

Zugegeben von verschwundenen Socken zur Weltwirtschaftskrise – dieses Bild springt (um im Fernseh-Jargon zu sprechen). Aber vielleicht sollte man die seriellen Bankencrashs wirklich einmal auf sich selbst herunterrechnen. Zugegeben, historische Vergleiche im Sinne von „Der schlimmste Sturm seit 50 Jahren“ oder „Der blutigste Krieg seit 1945“ langweilen, je mehr sie verwendet werden. Und man hört sie ständig.

Man muss sich jedoch eingestehen, dass es unmöglich ist, eine Krise und deren Reichweite abzuschätzen, wenn man mitten drin steckt. Zunächst ändert sich nichts im Alltag. Vielleicht erwartet man, dass es keinen Strom, keine Lebensmittel oder kein Benzin mehr gibt oder Preise explodieren. Okay – aber so eine Krise muss ja erst einmal durchsickern. Dann kann man sich überlegen: lieber neue Socken oder eine neue Waschmaschine. Falls das noch eine Option ist, denn hier bekommen die Leute keine Kredite mehr und wer seine Rente über den Aktienmarkt abgesichert hat steht mit leeren Händen da. Noch nicht heute, aber in drei Jahren.

Dieses Mal ist ein historischer Vergleich mit 1929 angebracht, fasst aber wohl nicht, was passiert. Das ist unglaublich. Ich saß heute vor dem CNN-Bildschirm und wusste nicht, ob das so ein Moment war wie der 11.September, wo man einfach fassungslos vor dem Fernseher stehen und alle Arbeit liegen lassen darf? Jedenfalls kam ich mir komisch vor, während der 700-Milliarden-Dollar-Abstimmung bei einer Schule anzurufen, um nach einer popligen Drehgenehmigung zu fragen.

Und dann habe ich doch ganz normal meinen Alltag beendet: nach Hause fahren, joggen, Abend essen, telefonieren, bloggen…

Bin gespannt wie Dax, Stoxx usw. reagieren.

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Sockenklau

September 28, 2008

Über meine Waschkünste habe ich ja schon berichtet. Bislang ist – toi toi toi – noch alles ganz normal wieder aus dem Trockner gekommen. Aber: Ich bin mir sicher, es gibt hier einen Sockendieb. Irgendwie verliere ich von Waschgang zu Waschgang Socken. Jetzt ist es schon soweit, dass ich vier einzelne Socken herumfliegen habe. Ich habe heute morgen mal nüchtern kalkuliert: Geht das so weiter, besitze ich in sieben Wochen kein Paar mehr. Ich werde jetzt mal fahnden, wo der Dieb ist.

McCain gewinnt

September 26, 2008

ähhh, ähhh you are right Senator McCain…

Sag doch EINFACH mal was McCain und die Republikaner falsch gemacht haben. Leider sagt er das nicht. Wir sitzen hier und müssen LEIDER mitverfolgen, wie Obama untergeht. Er wird von der einfacheren Sprache, den klareren Sätzen McCains ausgehebelt. 

One, two, three.. well first of all… Obama zählt oberlehrerhaft auf, was getan werden muss oder was er denkt, anstatt dass er die wichtigen Dinge in einem klaren und kurzem Satz formuliert! Wir sind entsetzt. Wer zum ersten Mal etwas vom US-Wahlkampf sieht und hört, muss Republikaner wählen. McCain wirkt so viel souveräner und sicherer, ja staatsmännischer als der Senator von Illinois. Er wirkt so.

McCain erzählt, dass im Irak Frieden herrscht, dass dort ein ordentlich funktionierender Staat etabliert ist. DAS IST EINE OFFENSICHTLICHE LÜGE! Muss man dafür europäisch mediatisiert sein, fragen wir uns? Oder erkennen das auch Amerikaner? 

Obama hat sich schlechter verkauft, als in allen öffentlichen Auftritten zuvor. Nicht wegen Schweißtropfen (siehe Nixon-Kennedy-Duell) und nicht wegen Blicken auf die Armbanduhr. Aber McCain bringt Optimismus in die Debatte, Obama klagt an, kritisiert, macht den Status quo schlecht – wir befürchten er verliert damit. Die Stimmung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (Sorry für die Floskel…) ist schlecht genug wegen der Finanzkrise und der Bush-Kriege, ein Lächeln und etwas Ruhe und Gelassenheit hätte den Amerikanern wohl gut getan. McCain hatte die besseren Berater, die bessere Strategie. In diesem Moment befürchten wir: die Demokraten werden verlieren.

DIe Debatte hat Obama verloren. Der Charismatiker war blaß und langweilig… seine „Messages“ zu lang, zu unverständich, zu verschachtelt – LEIDER.

Beha-Bakery

September 25, 2008

Knusprige Brötchen mit Kürbiskernen obendrauf, eine rösche Brezel, ein Brot mit richtiger Kruste und fester Krume…

…leider Fehlanzeige! Dafür wird Pumpernickel zu unserem Lieblingsbrot. Was in Deutschland UNgenießbar ist, ist hier der einzige Ausweg, um dem labbrigen Knautsch-Toast („Original German Dark Bread“) zu entgehen! Außerdem haben wir’s mit selbst backen versucht:

Der Versuch war sogar echt ganz lecker und hat Spaß gemacht! Beim zweiten Versuch waren die Brötchen, die wir beide liebevoll geformt hatten

ein bisschen hart nach dem Backen: eher Wurfgeschosse…

P.S.: Es waren keine Wurfgeschosse, sondern eher Briketts :). Bin mal gespannt, was beim selbst gemachten Pizza-Teig herumkommt.

– Milch kann man nur in großen Kanistern kaufen

– alternative Energien bedeuten hier: Kohlekraftwerke und Atomanlagen

– kein Taxifahrer kennt die Adams Street

– beim Fußball gibt es eine Trinkpause nach 25 Minuten und nach 70 Minuten

– es gibt eine richtige Liga für gemischte Fußballmannschaften (Frauen und Männer)

– Taxifahrer, Busfahrer und fast alle Kassierer im Supermarkt sind schwarz

– die meisten Männer joggen oben ohne und die Frauen im Sport-BH (mal schauen wann es ihnen zu kalt wird…)

– Qualitätszeitungen kosten hier weniger als die BILD in Deutschland (Washington Post: 50 Cent, bis 31.12.2007 kostete sie nur 35 Cent)

– Busse fahren manchmal nach Fahrplan, meistens aber nicht (wie in Polen)

– Markenklamotten (Roxy, Ralph Lauren, Lacoste) hängen mitten zwischen no-name-trash und kosten gleich viel oder sogar weniger

– In Wohngebieten (auch in unserer Adams Street) gibt es „Speed humps“ das sind riesige Hügel die einmal quer über die Straße gebaut sind, damit man nicht zu schnell fährt. Paula hat letztens einen übersehen, das Auto hat fast abgehoben!

– es gibt Leute, die eine Ausbildung zum Einpacker an Supermarktkassen machen

Bisher fallen mir täglich noch viele solche Dinge auf, die mich wundern, über die ich lachen muss oder die mir hier als etwas Besonderes erscheinen. Mal sehen, ab wann ich das nicht mehr wahrnehme und quasi „amerikanisiert“ bin.  Aber fürs Erste könnt ihr euch sicher sein, es geht weiter!

Wir leben noch – und wie

September 22, 2008

Ja, ihr habt Recht. Ich habe lange nichts von mir hören lassen. Ja, ein Blog sollte regelmäßig gepflegt werden. Jajajaja. Aber: Wir waren in New York und bei einer Stadt die niemals schläft, hat man einfach keine Zeit um sich mit solchen Kleinigkeiten wie dem Bloggen zu beschäftigen. Darum mal ein kleines Update für Europa:

Brisant-Gucker werden einen Beitrag von mir als Co-Autor in der ARD gesehen haben. Thema war ein Altenheim in Maryland wo sich 70plus mit einem Krückstock in Selbstverteidigung übt. In der ARD-Mediathek gibt es den Beitrag aus dem Morgenmagazin. Leider fehlt da mein Name, den haben die einfach vergessen. Böse! So genug show off. 

Jetzt werde ich mal von New York schwärmen. Verzeiht mir diesen Ausdruck: NY ist einfach geil. Unglaublich. Ich will auch gar nicht das Wochenende hier in dem Blog rekapitulieren, sondern einfach mal mit ein paar Fotos sprechen:

    

 

 

 

 

 

 

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thanks to Wulfi 🙂

P.S.: Zu zwei Vorurteilen über Amerika muss ich mal was sagen: Ja, meiner Meinung nach laufen in Amerika viele Fast-Food-Jünger rum. Nein, man nimmt nicht automatisch zu. 

P.P.S.: Ich habe schon 8 Kilo weniger! Ole Ole!

Fernsehen…

September 17, 2008

…ist wie Fußball spielen – es kann nur eine das Tor schießen. Die wird oft genannt und umjubelt, aber ohne ihre Mannschaft hätte sie das niemals schaffen können. Vorher gab es viele entscheidende Pässe, Zweikämpfe und Grätschen.

Der Vergleich klingt jetzt vielleicht etwas pathetisch, aber ist nach meinen Erfahrungen hier recht treffend. Im Studio gibt es drei Korrespondenten, die Beiträge für die Sendungen zusammenstellen und sprechen. Dahinter stehen viele Leute, die sich um Interviewtermine im Vorfeld kümmern, für Dreharbeiten rausfahren oder Fakten recherchieren, die der Korrespondent braucht für seinen Sprechertext. Zu Dreharbeiten fährt man immer mindestens zu Dritt. Fernsehen ist Teamarbeit.

Und a propos Team und Fußball und so: Ich habe am Wochenende „soccer“ gespielt, in einem echten Team, das in einer echten Liga spielt. Leider haben wir verloren, unter anderem auch weil ich manche Chance ausgelassen habe. Das Team am Sonntag war ein gemischtes, das bedeutet immer fünf Mädels und fünf Jungs (in dem Fall waren es eher Männer…) stehen auf dem Platz. Dafür gibt es eine richtige Liga! Ich kann aber auch bei einem girls-only-team mitspielen. Das werde ich nächste Woche machen. Das Team heißt FUSION! Total cooler Name 😉 Mal schauen, was die so für Musik zum Aufwärmen hören.

wichtige Fußballvokabeln:

shoot, shoot (schiiiieß)

all the time in the world (Zeit, Zeit)

switch (rüberschieben)

unlucky, unlucky (schade, schöne Aktion)

shin gards (Schienbeinschoner)

hold the throw (warte mit dem Einwurf)

Ansonsten hat es viel Spaß gemacht, außer, dass die Männer immer aus unmöglichen Positionen auf das Tor schießen wollen und sich dann wundern, dass der Ball 5 Meter drüber oder daneben geht. Und noch was: es gab eine one-minute-water-break jeweils in der Hälfte der Halbzeit – bei 32 Grad tat das natürlich gut. Gewechselt wurde fliegend, wir hatten aber nur fünf Frauen.

– rote Ampeln zeigen die Sekunden an, wie lange man noch warten muss, bis es grün wird

– ich habe einen 1,89 Dollar Starbucks-Kuchen mit Kreditkarte bezahlt

– in Drogerie-Ketten-Läden (im Müller, Rossmann, Schlecker-Style) wird man von Kosmetikerinnen überfallen und gleich zur Beratung geschleppt

– Morgens haben wir einen intellektuellen Müllsammler getroffen, der weiße Handschuhe trägt, Deutsche verehrt und uns eine ganze Busfahrt lang (40 Minuten) zugequatscht hat. Beispiel: In demHaus, das er gerade gekauft hat, wurde Versace erschossen.

– alle Leute in meiner Nachbarschaft grüßen mich, obwohl ich sie noch nie zuvor gesehen habe

– wenn man beim Bus aussteigen möchte, muss man die Reißleine ziehen

– die Adams Street hört einfach irgendwo auf und fängt ein paar Hundert Meter weiter in der gedachten Verlängerung (die man nur aus der Vogelperspektive sehen kann) wieder an

– Leute, die in ihrem Zimmer eine Klimaanlage haben, schlafen mit 4 Bettdecken, obwohl es 30 Grad hat

– HILFE! Ich wiege 135 Kilo – ah nein! Pfund (also 500 Gramm je Pfund???) – ah NEIN! falsch! 1000 g : 453,59 = 2,20463414… also: 135: 2,2046341… = 61,234651137…

Da kann froh sein, wer ein Mathe-Ass war, so wie ich 😉 Und das mit den Gewichtseinheiten ist ja nur die Spitze des Rechen-Eisbergs! Benzin kostet hier etwa 3,90 – aber eben eine Gallone (das macht 4,4 Liter). Mehl muss man bei Messbechern in „cups“ abwiegen, ein Dollar sind etwa 1,39 Euro und die Steckdosen passen auch nicht… es lebe die Europäische Union! Bis demnächst!

September 13, 2008

Jo, Jade, Heidi & Pierre

Jo, Jade, Heidi & Pierre

Jona Reunion vorm Weißen Haus

Jona Reunion vorm Weißen Haus

Ich war in Springfield!

September 11, 2008

Liebe Simpsons-Fans!

(Ich denke dabei auf jeden Fall an meine beiden Mitbewohner aus der E 10 in Aux !)

Wir sind am Dienstag für Dreharbeiten und Interviews raus aus D.C. gefahren, nach Springfield – eines von ungefähr 70 in den USA. Aber das ist ja egal! Ich war in Springfield! WIr fuhren in eine Vorortgegend mit großen Häusern, großen Gärten und Nachbarn. Ned Flanders habe ich aber leider nicht getroffen. Dafür haben wir bei einem interessanten Paar gedreht: Donna und Ben. Sie haben beide am 11. September 2001 ihre Ehepartner verloren. Die hatten damals im Pentagon gearbeitet, genau in jenem Trakt, in den das Flugzeug der Terroristen hineinraste. Kennen gelernt haben sich die beiden dann bei einer Art Selbsthilfegruppe für Hinterbliebene von 9/11. Seit fast zwei Jahren sind sie verlobt, heiraten wollen sie aber vorerst nicht. Wir haben die beiden beim Fotos anschauen gefilmt. Darunter war auch ein Urlaubsbild von Donnas Familie vor einem bayerischen Berghäuschen – totales Klischee. Donna und Ben helfen sich jetzt gegenseitig dabei, mit ihrem alten und dem neuen Leben fertig zu werden. Die beiden wussten anfangs nicht, ob sie Schuldgefühle haben müssen oder ob sie untreu sind. Sie waren plötzlich wieder verabredet, verliebt, nicht mehr einsam: „We didn’t do any dating for more than 30 years. We had to learn that again“, erzählte Ben in die Kamera.

Die Dreharbeiten und das Zeitzeugeninterview waren super interessant und wer sich anschauen möchte, was daraus geworden ist: http://www.zdf.de (Mediathek, gebt bei Sendungen Mittagsmagazin ein, das vom 11.09. Das Stück kommt gleich am Anfang der Senung). Unsere Korrespondentin hat das Stück dann im Studio zusammengekleistert.

Für mich war der Terroranschlag von 9/11 immer weit, weit weg. Jetzt wohne ich zwölf Autominuten vom Pentagon entfernt, in das um 09:37 vor sieben Jahren ein Flugzeug donnerte. Paula, meine Vermieterin, erzählt, dass sie gleich nach dem Unglück ihre Familie anrief, um zu sagen, dass es ihr gut gehe. Sie habe an dem Tag geweint – und Paula gehört sicherlich nicht zu der Sorte Menschen, die Panikeinkäufe machen oder fünf Schlösser an der Haustüre haben. Sie war geschockt und sie habe ja nicht gewusst, was noch komme. Das Weiße Haus ist nur wenige Meilen entfernt, das Capitol sieht man wenn man von der Adams Street aus. „Alles war wie ausgestorben, tot, nirgends waren Leute auf der Straße“, hat sie gesagt. Die Leute wussten eben nicht, ob die vier entführten Flugzeuge alles waren oder ob noch irgendwo eine Zeitbombe tickte.