„Machen Sie ihr Auto winterfest!“, dazu ein Bild mit verschneiter Landschaft und Warnschild vor Glätte. Das sah ich heute auf der SWR-Webseite – sowas ist für mich gerade unvorstellbar weit weg (nicht nur wegen der Kilometer). Hier ist noch nicht einmal der Herbst richtig angekommen – immer noch über 20 Grad! Aber ganz anders in New Haven, dort war ich am Wochenende und konnte mal so richtiges New England-Wetter mit erleben. New Haven ist der Name der Stadt, die die Uni Yale von sich eingenommen hat, vor etwa 300 Jahren.

einen echten Yalie

Getroffen: einen echten Yalie

Ich war in der Bibliothek, in der Bill seine Hillary kennen lernte. Clinton war übrigens auch gerade in Yale am Samstag, hat dort einen Vortrag über „Global Challenges“ gehalten und mit seiner Abschlussklasse Jubiläum gefeiert. Die Bibliotheken sehen aus wie anderer Leute Wohnzimmer, mit gemütlichen Sofas (nein, nicht so abgewetzt und alt wie man es von Phil-Büro und AstA-Sofas so kennt) Außerdem kann man seinen Kaffee, den Rucksack und Essen mit in die Bib nehmen! Da überlegt man sich schon mal eher länger dort zu bleiben. Ich habe wieder richtig Lust auf Studieren bekommen, hatte von Adam Smith „The Wealth of Nations“ in der Hand und bin an unendlich vielen Büchern vorbei gelaufen. Die Innenhöfe der Bibliotheken sehen aus, wie sie Rilke oder Goethe beschreiben. Ob man das nun übertrieben findet oder nicht – die Uni versucht echt den Studis das Lernen zu verschönern und das ganze Leben an den Campus zu binden!

Die Audimax-Hörsäle in Yale sind übrigens kleiner, als die Augsburger Durchschnitts-Seminarräume. Da passen maximal 25 Leute rein (inklusive Boden). Eine Vorlesung mit 40 Leuten sei in Yale eine Massenveranstaltung. Dafür haben alles Studis Augenränder und sehen müde aus.

Die Stadt an sich ist ein nettes Örtchen – aber da komme ich mir in D.C. nach meinem New York Eindruck endlich wieder urban vor! Die Innenstadt gehört komplett der Uni, die bestimmt welche Läden einziehen – kein McDonalds und kein Burger King weit und breit. Dafür die weltgrößte Pizza (die ich je gesehen habe) und ein Starbucks neben dem anderen.

Die Yale-Studis sind bestens ausgerüstet mit Yale-Pullis, Hosen und Mützen und es gibt riesen Shops mit lustigen Fan-Artikeln. Da wollte ich doch gleich wieder ein Video drehen… Die meisten Elite-Studenten laufen in Flip Flops und Boxershorts oder Jogginghose durch die Stadt. Klar – die Yalies wohnen oft direkt auf dem Campus, da fühlt man sich ganz daheim. Und in New Haven ist ja jeder auch nur einer von etwa 11 000.

Blick auf einen Teil der Bib auf dem Yale Campus

Blick auf einen Teil der Bib auf dem Yale Campus

Lieblingssport der Yalies ist scheinbar sich umsonst durchzufuttern. Da habe ich dann als Gast gleich mal mitgemacht 😉 International Picknick und FREIBIER (!) sponsored by Yale University. McKinsey-Recruitingveranstaltungen ohne angekündigtes Dinner for free schlagen die VWL-Studenten glatt aus. Dafür gehen sie dann lieber zum Freibier und „deutschen“ Essen im Innenhof. Dort spielte eine lustige Vier-Mann/Frau-Kappelle, die ein wenig Oktoberfest-Feeling bringen sollte. Hat nicht ganz geklappt, war aber amüsiant dem Dirigent im Frack zuzuschauen. Das mit dem Freibier könnte die Uni Augsburg übrigens auch einführen – dann wäre sogar ich FÜR Studiengebühren 😉

(„deutsches“ Essen: kaltes, nach chlorwasser schmeckendes Sauerkraut, polnische (!) Pierogi, frittierte Kartoffeln, Weißbrot, Brownies und Bratwürste in Scheiben geschnitten)

Blick vom East Rock auf New Haven, am Horizont der Atlantik

Blick vom East Rock auf New Haven, am Horizont der Atlantik